Die Hagenbrunner Winzerfamilien stellen sich vor

Die Gegend rund um den Bisamberg ist geprägt von einer Vielzahl verschiedener Bodenarten. Dominant sind vor allem Flysch, ein Gestein, das zum Rutschen neigt, Löss sowie ein kalkreicher Boden aus Schotter und Fossilien, der noch aus dem Urmeer stammt. Die Wetterlage ist genauso divers, denn die Region liegt zwischen dem pannonischen Klima im Osten und dem niederschlagsreichen, mitteleuropäischen Wetter im Westen.

Die Weine drücken diese Diversität aus und so finden Sie bei uns jede Menge charaktervolle, reife Weiß- und Rotweine. Die Winzer, die diese Böden seit Jahren erfolgreich bearbeiten, stellen sich nun vor:

Weingut & Buschenschank Gilg

Qualität entsteht im Weingarten. Wenn es draußen friert, nebelt und nieselt, dann ist es Zeit für Stefans liebste Arbeit, den Rebschnitt: „Da legen wir die Grundlage für die nächste Ernte.“

Die Gilgs sind beim Rebschnitt besonders genau, Stefan und Vater Ludwig erledigen ihn daher am liebsten selbst. „Die Qualität entsteht im Weingarten und jedes Jahr hast du nur eine Chance, um guten Wein herzustellen“, bekräftigt Stefan seine Philosophie.

Stefan weiß auch, dass in Zukunft noch mehr Technik in die Weingartenarbeit einziehen wird: „Kellerarbeit ist bereits heute hochtechnologisch unterstützt. Ich könnte mir vorstellen, dass die Weingartenarbeit auch bald automatisierter abläuft, dass zum Beispiel Drohnen und Roboter das Jäten und Spritzen übernehmen werden.“ Dennoch ist dem Zukunftsdenker Tradition und gelebte Heurigenkultur sehr wichtig.

Auf ihren Heurigen sind sie besonders stolz: „Mir ist bewusst, dass unser Betrieb, so wie er jetzt dasteht, hart erarbeitet wurde, und ich möchte das so gut wie möglich weiterführen“, erzählt Stefan. Der Weinkeller wurde 2017 neu gebaut – technisch alles modern, versteht sich. Inspiration holen sich die Gilgs dann beim Verkosten anderer Weine und beim Verreisen in Weingebiete auf der ganzen Welt.

Weingut & Erdäpfelhof Fein

Daheim ist’s am schönsten. Blühende Rosen, duftende Kräuter und prächtige Oleander offenbaren sich im Garten der Familie Fein. Oft passiert es, dass sich jemand einfach auf die Terrasse setzt, in Erwartung, in den Hof eines Heurigen gestolpert zu sein.

Doch bei den Feins läuft der Verkauf ab Hof, Wein und Erdäpfel können dort geholt werden. „Wir kennen jeden Kunden und alle ihre Gschichtln“, verrät Bernhard. Er ist der jüngste von drei Geschwistern und führt den Betrieb mit seinen Eltern und seiner Freundin. „Es ist super, wenn man auf den Erfahrungsschatz der älteren Generation zurückgreifen kann. Wir finden immer einen grünen Zweig zwischen Alt und Jung.“

Bernhard kann schon bei der Lese sehen, ob alles richtig gemacht wurde, denn „man trägt quasi die Früchte seiner eigenen Arbeit“. Die Krönung ist dann, wenn man viele Komplimente der Kunden hört, die sich regelmäßig Wein ab Hof holen und auf ein „Tratscherl“ stehen bleiben. Hofhund Lucky, der besonders gern gestreichelt wird, ist immer mit dabei.

An lauen Abenden sitzt die gesamte Familie am liebsten auf ihrer herrlichen Terrasse und genießt ein gutes Glaserl Wein.

Weingut & Heuriger Andreas Ott

Der Jüngste unter den Winzern. Andreas Ott hat bereits mit 21 Jahren den Familienbetrieb übernommen und zählt zu den jüngsten Winzern in Hagenbrunn. Den Heurigen zu führen und die 13 Hektar große Rebfläche zu bewirtschaften, benötigt ein gutes Zeitmanagement – trotzdem würde für ihn kein anderer Job infrage kommen.

Andreas ist ein Ehrgeizler, wie er selbst meint: Angestrebt wird ein breites Weinsortiment mit Charakter und Sortentypizität. Beim Heurigen helfen sowieso alle mit: „Unsere Stärke ist die Familie – das war sie schon immer.“ Zusammenhalt und Bodenständigkeit sind dem jungen Weinbauern wichtig und das möchte er auch für die Zukunft so weiter halten.

Auf die Ortsverbundenheit legt er großen Wert: „Wir könnten uns nicht vorstellen, unsere Weingärten irgendwo anders zu haben. Wir sind eingesessene Hagenbrunner.“

Weingut & Heuriger Familie Holledauer

Heuriger in fünfter Generation. Vier Stunden geht man zu Fuß von der Wiener Innenstadt zum Heurigen der Holledauers. Als Josefs Ururgroßeltern den Betrieb führten, wanderten die Wiener Gäste zu ihrem Hof, um einen Schmalztiegel und eine Flasche Wein zu besorgen.

Seit mehr als 100 Jahren steht der Heurige also im Mittelpunkt der Familie Holledauer. Auch Josefs Vater ist noch immer mit dabei, er kümmert sich insbesondere um die Blumenbeete im Hof. „Eine Summe aus Kleinigkeiten gibt bei uns die Freude und die Gemütlichkeit beim Heurigen wieder“, schwärmt Josef über den erfolgreichen Generationenbetrieb.

Trotz Technologieeinsatz in der heutigen Zeit liegt es ihm am Herzen, dass der persönliche Kontakt möglichst erhalten bleibt. Für Josef steht immer der Mensch im Mittelpunkt. „Wichtig sind für mich die einzelnen Leute, die sagen, dass der Wein schmeckt.“

„Das Leben ist ein ständiger Wandel, so wie der Weingarten“, denn dort ist für Josef Holledauer die liebste Tätigkeit des ganzen Jahres: die Laubarbeit im Sommer. „Dann geh’ ich in aller Ruhe durch den Weingarten und bewundere das Wachstum der Rebe.“ Der Weingarten bietet ihm Arbeit und Hobby gleichzeitig, „gerne auch allein und bei abgedrehtem Handy“, wie er betont.

Weingut & Heuriger Familie Schmidt

Wein ist unser Handwerk. Wäre Philipp Schmidt nicht Winzer geworden, wäre er heute Tischler. Er hat das ruhige Händchen und die Geduld zum genauen Arbeiten. Auch im Weingarten braucht es Gelassenheit – jeder Handgriff muss passen: „Mein Betrieb ist groß genug, dass ich hauptberuflich davon leben kann und klein genug, dass ich bei allen Arbeitsschritten selbst dabei sein kann“, erzählt er stolz.

„Ich kenne jeden Stock und begleite jede Traube in die Flasche.“ „Wein ist unser Handwerk“, so lautet auch der Slogan der Schmidts. Schön und zugleich schwierig ist es, die Arbeit, die von der Natur abhängig ist, zeitgerecht zu erfüllen. überhaupt ist Philipp ein Naturmensch: In seiner Freizeit ist er auf Wald und Wiese sportlich mit dem Mountainbike unterwegs.

Am liebsten trinkt der Weinbauer ein Glas Wein, wenn ihn spontan jemand daheim besucht: „Am Liebsten ein kaltes Achterl Weißen.“ Oder natürlich beim beliebten Heurigen der Schmidts, den die Schwester Johanna führt.

Dort gibt auch es auch den köstlichen Speck der Mangalitza-Schweine, für den sich Bruder Franz Josef verantwortlich zeigt. „Wir drei Geschwister arbeiten super zusammen – wir sind praktisch drei Betriebe, eng verflochten“, schwärmt der ambitionierte Winzer.

Weingut & Heuriger Familie Wannemacher

Tradition und Moderne. Hohe Standards setzt Josef Wannemacher für sich selbst: „Das Schönste ist, wenn man den neuen Jahrgang im Keller kostet und zufrieden ist. Wobei, ganz zufrieden ist man sowieso nie.“ In jedem Weinjahr gibt es neue Herausforderungen – das ist das Spannende daran, wenn man mit der Natur arbeitet. Besonders schön ist es natürlich, wenn die mühevolle Arbeit mit Erfolg gekrönt ist, und die Auszeichnungen sprechen für sich!

Der Heurige der Wannemachers ist ein traditioneller und bodenständiger Heuriger, so wie ihn die Gäste lieben. „Wir schenken die eigenen Weine aus, Bier gibt es traditionellerweise nicht. Bei der Küche wird Wert auf Regionalität gelegt und das Angebot richtet sich auch nach den Jahreszeiten.“

Viel wurde die letzten Jahre investiert: „Wir möchten unseren Gästen ein gediegenes Wohlfühl-Ambiente bieten, in dem jeder seinen Lieblingsplatz findet!“ Gerne beim Heurigen und bei der Kellerarbeit dabei sind die beiden Kinder Marlene und Moritz. Noch lieber, allerdings, machen sie mit den Eltern eine Radtour vorbei an den Hagenbrunner Weingärten!

Weingut & Heuriger Josef Deutsch

Präzision und perfektes Timing. In den frühen Morgenstunden, wenn die Luft noch kalt ist, beginnen die Deutschs mit der Weinlese. Die Trauben sollen möglichst kühl in den Keller kommen, noch bevor die Sonnenstrahlen sie treffen.

Josef ist ein sehr genauer Mensch. Er kalkuliert den exakten Zeitpunkt der Lese. „Einmal waren wir auf einer fernen Auslandsreise und meine Eltern haben schon am Tag vor unserer Rückkehr mit der Lese begonnen – weil es einfach der absolut perfekte Zeitpunkt war!“

Beim Heurigen schupft Josefs Mutter die Küche, sein Vater ist für den Weingarten zuständig und Josef selbst ist der Kellermeister: „Die Traube ist, wie sie ist, aber im Keller kann ich noch viel Einfluss auf sie nehmen.“ Die Metamorphose von der Traube zum Wein findet er besonders spannend.

Den Betrieb haben Josefs Großeltern am Ende des 2. Weltkrieges von der Witwe eines Bauern übernommen. „Die alleingebliebene Bäuerin hat Oma und Opa gebeten, zu bleiben und die kleine Landwirtschaft zu übernehmen.“ Der Betrieb von Josefs Mutter kam im Laufe der Jahre dazu und später wurde Platz für Heurigengäste geschaffen.

Heute steht das vielfach prämierte Familienweingut für hervorragende Qualität durch schonende Verarbeitung.

Weingut & Heuriger Stefan und Theres Oberschil

Von der Schusterwerkstatt zum Weinbau. „Wer aufhört besser werden zu wollen, hört auf gut zu sein.“ Ganz nach diesem Motto führen Stefan und Theres Oberschil ihr Unternehmen. Denn was einst in einer ausgeräumten Schusterwerkstatt als Hobby begonnen hat, ist jetzt nach drei Generationen ein erfolgreicher Weinbau- und Heurigenbetrieb, der Schritt für Schritt vergrößert wurde.

Es war nicht immer leicht, aber es war bestimmt der richtige Weg, resümiert Stefan Oberschil. An seinem Winzerjob gefällt ihm besonders die händische Arbeit an den Weinstöcken. Da kann er die Ruhe, aber auch die Kraft der Natur bewusst wahrnehmen.

Das Ergebnis dieser Arbeit, die qualitativ hochwertigen Weine, genießt man dann am besten in gemütlicher Atmosphäre beim Heurigen der Oberschils, wo man mit hausgemachten Speisen verwöhnt wird. Theres Oberschil legt dabei sehr viel Wert auf die regionale Herkunft sowie ein saisonales Angebot.

Egal ob im authentischen Heurigenlokal oder im schattigen Gastgarten, hier lässt es sich in guter Gesellschaft verweilen. Denn Stefan und Theres machen ihren Job mit Leidenschaft und das kann man hier hautnah erleben.

Weingut Josef Fischer

Mit dem Wein auf Du und Du. Wenn Josef Fischer und sein Vater, Josef senior, im Weinkeller stehen, holt der eine Josef dem anderen Josef ein Achterl zum Kosten. „Aber blind! Sonst hast du dir dein halbes Urteil ja schon gebildet.“

Auch der Rest der Familie muss laufend Weine erkennen: „Wenn am Wochenende groß aufgekocht wird, bringt jeder eine Flasche mit – da kommt es natürlich immer wieder zu heiteren überraschungen“, erzählt Josef schmunzelnd.

Beim jährlichen Rebschnitt merkt Josef junior, wie nicht nur der Weingarten, sondern auch er selbst zur Ruhe kommt: „Da bin ich mit dem Rebstock auf Du und Du“. Klimawandel und Nachhaltigkeit sind für ihn sehr wichtige Themen. Vor allem seine Kinder liefern ihm neue Anstöße, um noch umweltschonender und mehr im Einklang mit der Natur zu arbeiten.

Josef ist sehr stolz darauf, dass er so zufrieden mit dem ist, was er tut. „Denn eine weitere tolle Sache an meinem Beruf ist es, einfach ins Flaschenlager zu gehen und immer ein passendes Geschenk für unsere Freunde zu haben.“

Weingut Schwarzböck

Die Hagenbrunner Vinothek. 23 und 28 Jahre waren Anita und Rudi Schwarzböck alt, als sie ihr Weingut eröffneten. Ein großes Vorhaben für zwei junge Menschen. Die Faszination des Weinbaus und ihr Glaube an den Erfolg haben sie in der Entscheidung zum Unternehmertum bestärkt.

Heute betreiben die Schwarzböcks auch eine Vinothek: Wer dort verschiedene Sprachen hört, darf sich nicht wundern – Gäste aus aller Welt besuchen die leidenschaftlichen Winzer. Manche als Sightseeing-Ziel, andere Besucher sind interessierte Sommeliers. Führungen gibt Anita selbst: „Dabei bleibt mein Englisch in Schuss.“

Derzeit wird bei den Schwarzböcks auf biologisch-organisch umgestellt. Das zukunftsweisende Vorhaben bahnte sich schon länger an: „Auf die Natur zu achten, war für uns schon immer wichtig“, erzählt Anita. „Die Herausforderung ist es dann, die Qualität des Weins ohne konventionelle Hilfsmittel zu halten.“

Die Natur spielt auch in der Freizeit eine große Rolle für die Winzerfamilie: Rudi ist begeisterter Jäger und Anita und ihre Tochter reiten so oft wie möglich ihr Pferd. Eine Familientradition, die in Stein gemeißelt ist, ist übrigens das gemeinsame Mittagessen: „Das steht bei uns immer um Punkt 12 Uhr auf dem Tisch.“

Weingut und Heuriger Oberschil-Rieger

Gemeinsam essen und lachen. Nur 50 Jahre trennen Christoph Rieger und seinen Großvater Michael. „Viele meinen, wir werden uns immer ähnlicher“, verrät er. Was die beiden vor allem verbindet, ist die Leidenschaft für die Arbeit im Betrieb. „Für meinen Opa ist kein Tag vollkommen, an dem er nicht auf dem Traktor gesessen ist.“

Als Kind saß Christoph selbst am Trettraktor und machte den Hof unsicher. Heute gibt es für ihn nichts Schöneres, als aufzustehen und zeitig in der Früh in den Weingarten zu gehen. Vielleicht doch noch etwas: das Zweitschönste für ihn – die Kulinarik. Denn bei der Familie Oberschil-Rieger dreht sich das halbe Leben ums Essen. In der Küche der Großfamilie steht ein großer Holzesstisch: „An dem sitzen wir oft zu zehnt oder elft – wir essen, trinken und lachen gemeinsam. Das hält zusammen“, erzählt Christoph.

Auch beim Heurigen der Familie geht es gesellig zu und es gibt einige besondere Schmankerl – zum Beispiel Rehschnitzel oder Wildragout: „Als Jäger genieß ich in den frühen Morgenstunden die Ruhe. Den Respekt vor der Natur hab’ ich von meiner Familie mitbekommen – das ist auch etwas, dass ich an meine Kinder weitergeben will.“ Im Moment sitzen die beiden Söhne schon eifrig auf den Trettraktoren.